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Wuppertal / Kultur & Bildung

Emil Rittershaus und sein Denkmal

Emil Rittershaus und sein Denkmal

Da steht nun der große Mann auf dem Podest, eine stattliche Erscheinung, mit wohlwollendem und zufriedenem Blick über dem Rauschebart, Gemütlichkeit ausstrahlendem Bauchumfang, und scheint der andächtig lauschenden Menschenmenge zu seinen Füßen eine mitreißende Rede zu halten. Was hätte er ihnen wohl zu sagen gehabt, wenn er denn kein Denkmal wäre, sondern ein Mann aus Fleisch und Blut?

 

Wir schreiben den 20. Juni 1900, es ist der Tag der Enthüllung des Denkmals von Emil Ritterhaus in den Barmer Anlagen, geschaffen von seinem Schwiegersohn, dem Berliner Maler und Grafiker Friedrich Schaper (1869-1956), die Figur aus Bronze in Überlebensgröße, gegossen von der Berliner Gießerei Martin & Piltzing. Der 1,5 Meter hohe Sockel aus schwedischem Granit mit Inschrift vorne, einem Lorbeerkranz rechts und dem Freimaurerzeichen auf der linken Seite, das die Nationalsozialisten allerdings 1933 wieder entfernen ließen, kam von der Berliner Firma Kessel & Röhl. Soeben wurde die Plane, unter der das Denkmal verborgen war, heruntergelassen, einige Herren mit sorgfältig gezogenem Scheitel lüpfen feierlich ihren Zylinder.

 

Sein Pendant auf dem Sockel war gelungen, wirkte wie Emil Ritterhaus live, mit Kragenmantel, Spazierstock und Hut, den er als Denkmal in der Hand hält, freundlich-optimistisch durchs Leben schreitend. Das Wetter war bei der Einweihung nicht so gut, in Wuppertal regnet es halt gerne mal, dennoch waren neben dem Regierungspräsidenten von Holleuser der Oberbürgermeister Dr. Lentze, zahlreiche Stadtverordnete, Vertreter der Stadtverwaltung, der Freimaurer und verschiedener Vereine, mit denen Rittershaus verbunden war, anwesend.

 

Emil Rittershaus, der am 3. April 1834 in Barmen geboren wurde, war, wie die Bandbreite seines Schaffens zeigt, ein vielseitiger Mensch. „Band“ ist das Stichwort. Sein Vater war ein wohlhabender Bandfabrikant, was ja im Bergischen Land im 19. Jahrhundert nicht wirklich ungewöhnlich war. Emil Rittershaus trat jedoch nicht direkt in die Fußstapfen seines Vaters, sondern übernahm nach seiner Eheschließung mit Hedwig Lucas, mit der er drei Söhne und vier Töchter zeugte, im Jahre 1856 die Metallwarenfabrik seines Schwiegervaters. Später hatte er in Elberfeld seine eigene Metallwarenhandelsfirma und war auch in Barmen geschäftlich aktiv. Sein Exportgeschäft florierte, aber es war für ihn kaum mehr als ein Job.

 

Seine große Leidenschaft war sicherlich die Dichtkunst. Seine Heimatliebe brachte ihn dazu, vor allem in späteren Jahren, überwiegend Werke über das Bergische Land und die angrenzenden Gebiete zu verfassen. So ließ sich Emil Rittershaus auf seinen Geschäftsreisen durch das Rheinland und Westfalen zu dem einen oder anderen Gedicht inspirieren, und so entstand wohl auch bei einem Aufenthalt 1868 in Iserlohn sein berühmtes „Westfalenlied“.

 

Zur Zeit der 1848er Revolution hingegen verfasste Emil Rittershaus gesellschaftskritische Gedichte wie „Der Kaiser braucht Kanonenfutter“ und war auch mit dem ebenfalls in Barmen wohnenden Lyriker Ferdinand Freiligrath (1810-1876) befreundet, der aktiv an der Revolution beteiligt war und sie ebenfalls mit Gedichten unterstützte. Wie Freiligrath war auch Emil Rittershaus Freimaurer. Als Mitglied der Schwelmer Johannisloge „Zum Westfälischen Löwen“ und engagierter Freimaurer wurde Rittershaus 2014 von dieser Loge zu seinem 180. Geburtstag geehrt. Er hatte aber auch enge Kontakte zu anderen Logen und verfasste für die Freimaurer Lieder und Gedichte.

 

Zudem schrieb er fleißig für die bekannte Wochenzeitschrift „Die Gartenlaube“, für das Unterhaltungsblatt „Über Land und Meer“ und andere Zeitschriften und war neben Gedichten mit Berichten über Theaterstücke, die Kunstszene, Ausstellungen und andere kulturelle Ereignisse vertreten und wurde damit weithin bekannt und beliebt und zwar so sehr, dass die Beckmannshofstraße in Barmen, in der er am 8. März 1897 starb, schon am 15. Juni 1897 zur Emil-Rittershaus-Straße wurde. Außerdem wurde in Deutschland und darüber hinaus für die Errichtung eines Denkmals gesammelt. Damit konnten die Baukosten in Höhe von 30.132,94 Mark gedeckt werden und es reichte noch für die Gründung einer Emil-Rittershaus-Stiftung, die für Zwecke der Kinderfürsorge eingesetzt werden sollte.

 

Die Bronzefigur überlebte den Zweiten Weltkrieg in einem Versteck auf einem städtischen Bauhof. An seinem 50. Todestag am 8. März 1947 kehrte Emil Ritterhaus wieder auf seinen Sockel in die Barmer Anlagen zurück. Zunächst musste er ohne seinen im Krieg verlorenen Spazierstock auskommen, dafür schenkte ihm der Barmer Verschönerungsverein 1954 zum 120. Geburtstag einen neuen. 1960 erhielt das Denkmal einen besseren Standort in den Anlagen, wobei die im Krieg beschädigte Vorderseite des Sockels nach hinten gedreht wurde. Seit einer Gedenkfeier 1984 zum 150. Geburtstag des Dichters schmückt eine neue Freimaurer-Gedenktafel wieder die rechte Seite des Sockels.

Herr Thorsten Dette
Teamleiter

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