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Wuppertal / Rathaus & Bürgerservice

PCB-Emissionen aus Wuppertaler Betrieben

Das Ressort Umweltschutz informiert nachfolgend über die PCB-Emissionen aus Wuppertaler Betrieben und den Umgang der Behörden mit dem Thema.

Aktueller Informationsstand: August 2021

Zusammenfassung

Ausgelöst durch die Ermittlungen des Ennepe-Ruhr-Kreis bei einem Silikonkautschuk-verarbeitenden Betrieb in Ennepetal (Fa. BIW), in Bezug auf Emissionen und Immissionen von Polychlorierten Biphenylen (PCB), sind auch Betriebe in Wuppertal überprüft worden. Die Unteren Umweltbehörden wurden dazu landesweit durch einen Erlass des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) Ende November 2019 aufgefordert. In NRW sind aktuell 8 Betriebe betroffen.

Von allen in Wuppertal überprüften Betrieben waren zwei Unternehmen als Verdachtsfälle übriggeblieben. Es handelt sich um die Firmen Coroplast Fritz Müller GmbH & Co.KG in Wuppertal-Nächstebreck und Prysmian Kabel und Systeme GmbH in Wuppertal-Ronsdorf. Beide Unternehmen produzieren u.a. Kabel und Leitungen und verarbeiten in diesem Zusammenhang Silikonkautschuk für die Ummantelung. Dafür ist ein Vernetzungsmittel erforderlich. Die unbeabsichtigte Freisetzung von PCB kann aufgrund des eingesetzten chlorierten Vernetzungsmittels nicht ganz ausgeschlossen werden. Das hier freiwerdende spezielle PCB-Gemisch aus den PCB-Kongeneren 47, 51 und 68 unterscheidet sich deutlich von den übrigen PCB, welche ubiquitär in der gesamten Umwelt nachgewiesen werden können. 

Das PCB gelangt bei beiden Firmen über den Luftpfad in die Umwelt. Grundsätzlich kann es in der Atemluft enthalten sein. Überwiegend schlägt es sich aber als Deposition in Boden und auf Pflanzen nieder und kann oral, z.B. mit der Nahrung, aufgenommen werden.

In Ennepetal wurden auch weiße Flocken freigesetzt. Im Umfeld der betroffenen Anlagen in Wuppertal ist bisher nicht bekannt, dass weiße Flocken niedergegangen sind. Solche Flocken stellen die größte Belastungsquelle dar. Auch wird -im Gegensatz zur Firma BIW in Ennepetal- bei beiden betroffenen Firmen schon immer Filtertechnik eingesetzt. Weiterhin liegen die Produktionsmengen an Silikonkautschuk weit unter derjenigen der Firma aus Ennepetal. 

Die weiteren Schritte wurden von Anfang an in enger Abstimmung mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV NRW), der Bezirksregierung Düsseldorf (BRD), dem Landesamt für Natur Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und der Stadt Wuppertal festgelegt, um ein einheitliches und qualifiziertes Vorgehen zu gewährleisten.

Die Stadt Wuppertal hat die PCB-Emissionen und -Immissionen ermitteln lassen, um belastbare Aussagen über das Gefährdungspotential zu erhalten und daraus das weitere Vorgehen abzuleiten. Die folgenden FAQ (Häufig gestellte Fragen) sollen Ihnen die Möglichkeit geben, ein besseres Verständnis über Polychlorierte Biphenyle zu erhalten sowie sich über den aktuellen Sachstand zu informieren. Sie finden hier Ergebnisse, Berichte und Karten. Des Weiteren können Sie hier auch die Antworten auf Fragen nachlesen, die BürgerInnen bisher gestellt haben.

Diese Seite wird laufend, entsprechend dem jeweiligen Erkenntnisstand, aktualisiert.

Aktuelles

  • Die Grünkohl-Kampagne 2021 ist am 11.08.2021 gestartet.
  • Stand Juli 2021: Wie bereits angekündigt, wird 2021 im Umfeld der Fa. Coroplast an 2 Standorten erneut eine Grünkohl-Untersuchung durchgeführt werden. Zusätzlich werden erstmals auch an zwei Standorten im Umfeld der Fa. Prysmian Pflanzcontainer mit Grünkohl aufgestellt. Beginn der Kampagne ist August 2021. 
  • Stand 11.03.2021: Die Stadt hat Ihre vorsorgliche Nichtverzehrempfehlung aus dem Jahr 2020, in einem bestimmten Gebiet rund um die Firma Coroplast Fritz Müller GmbH & Co.KG in Nächstebreck kein Blattgemüse zu essen, bis auf ein kleines Gebiet vollständig aufgehoben. Die Ergebnisse der von August bis November 2020 durchgeführten Grünkohl-Untersuchung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) liegen jetzt vor. Zwar hat man die speziellen PCB aus der Silikonverarbeitung noch an allen Messpunkten gefunden - da die Firma Coroplast aber seit 01.01.2021 Ihre Produktion vollständig umgestellt hat und jetzt keine weiteren PCB mehr emittiert, bedeutet dies erfreulicherweise für die kommende Gartensaison, dass auch alles angebaute Blattgemüse wieder bedenkenlos verzehrt werden kann. Leider hat sich bei der Untersuchung erneut bestätigt, dass es in dem Gebiet noch eine unbekannte Quelle für dioxinähnliche PCB (dl-PCB) geben muss. Diese dl-PCB stammen nicht aus der Verarbeitung von Silikonkautschuk. Im Bereich der Gabelsberger Straße und Hans-Wagner-Straße empfiehlt die Stadt daher, sich weiter an die vorsorgliche Nichtverzehrempfehlung für selbstangebautes Blattgemüse zu halten. Die Stadt bemüht sich intensiv, der Quelle auf die Spur zu kommen. Eine weitere Grünkohl-Untersuchung wird zu Monitoring-Zwecken auch 2021 durchgeführt. Einzelheiten zur Grünkohl-Untersuchung entnehmen Sie bitte dem vollständigen Bericht und der aktualisierten Karte zur Nichtverzehrempfehlung im Abschnitt Grünkohl-Untersuchung weiter unten.
  • Stand 11.03.2021: Die Firma Prysmian Kabel und Systeme GmbH befindet sich in der Phase der Substitution des chlorierten Vernetzers. Dieser Umstellungsprozess ist langwierig und konnte noch nicht abgeschlossen werden. Die aktuelle Produktion von Silikonkabeln ist aber weiterhin sehr reduziert. Des Weiteren wurde die Abluftbehandlung verbessert. Die für ein einzelnes Grundstück seit 2020 bestehende Nichtverzehrempfehlung bleibt 2021 noch bestehen. Auch hier ist 2021 geplant, analog zu Nächstebreck eine Grünkohl-Untersuchung durchzuführen. Auf den Abschnitt Grünkohl-Untersuchung weiter unten wird verwiesen. 
  • Mit Pressemitteilung vom 06.01.2021 hat die Fa. Coroplast Fritz Müller GmbH & Co.KG offiziell mitgeteilt, dass seit dem 01.01.2021 das Produktionsverfahren so umgestellt ist, dass kein PCB mehr emittiert wird. Der chlorierte Vernetzer kommt nicht mehr zum Einsatz. Auf die Homepage der Firma wird verwiesen.     
  • Alle 6 Grünkohl-Pflanzcontainer wurden am 11.11.2020 durch das LANUV plangemäß abgeerntet und die Proben zu einem externen Labor nach Münster gefahren.
  • Die Grünkohl-Untersuchung ist gestartet. Seit dem 06.08.2020 stehen an 6, vom LANUV fachlich ausgewählten Standorten, im Umfeld der Fa. Coroplast Pflanzcontainer mit Grünkohlpflanzen. Die Ernte erfolgt im November - Ergebnisse zu den PCB-Gehalten werden voraussichtlich erst Anfang 2021 vorliegen. Die Stadt Wuppertal dankt allen Bürgerinnen und Bürgern, die im Vorfeld Ihre Bereitschaft erklärt hatten, Ihr Grundstück zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten konnte leider nicht jedem Wunsch nachgekommen werden.
  • Seit dem 07.07.2020 kann auf der Homepage der Fa. Coroplast ein Formular zur Beantragung einer Kompensation für Ernteausfälle heruntergeladen werden. Dieses Formular  soll nach Aussage der Firma auch jedem Haushalt per Posteinwurf zugestellt werden.
  • Laut Presseinformation der Firma Coroplast vom 26.06.2020 hat am 25.06.2020 ein erfolgreiches Gespräch mit dem Bürgerverein Nächstebreck stattgefunden. Es wurde neben der aktuellen Emissionssituation, der Umstellung der Produktion zum Ende des Jahres 2020 auch das Thema Kompensation von Ernteausfällen durch die vorsorgliche Verzehrempfehlung der Stadt Wuppertal näher besprochen. Ein Formblatt dazu wird auf der Website des Unternehmens zur Verfügung gestellt werden sowie als Postwurfsendung direkt zugestellt.  
  • Die Stadt Wuppertal bereitet derzeit zusammen mit dem LANUV die Grünkohl-Untersuchung vor, die zwischen Mitte und Ende August 2020 starten soll. Dafür werden für das Gebiet der Nichtverzehrempfehlung 5-6 Grundstückseigentümer (idealerweise mit Nutzgarten und gut zugänglich auch mit Fahrzeug) gesucht, die sich freiwillig bereit erklären, dass auf Ihrem Grundstück ein Grünkohl-Container aufgestellt wird. Bitte melden Sie sich bei der bekannten PCB-Hotline 0202 563 4844 bis 09.07.2020. Wir melden uns dann bei Ihnen und prüfen, ob Ihr Grundstück für die Messkampagne geeignet ist.     
  • Laut Presseinformation der Fa. Coroplast vom 19.06.2020 bereitet diese eine Kulanzkompensation für etwaige Schäden vor, die sich aus dem Befolgen der Verzehrempfehlung ergeben. Nähere Informationen folgen. 
  • Der finale Bodenuntersuchungsbericht liegt seit dem 19.06.2020 vor und kann samt Anhänge im Kapitel Bodenuntersuchungen eingesehen werden.
  • Die Ergebnisse des Löwenzahn-Screenings liegen seit dem 04.06.2020 vor. Für Wuppertal-Nächstebreck muss in Teilen eine Nichtverzehrempfehlung ausgesprochen werden. Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Abschnitt Löwenzahn-Screening und Nichtverzehrempfehlung für Blattgemüse.
  • Die Stadt hat eine eigene PCB-Hotline mit der Nummer 0202/563-4844 geschaltet.
  • Am 09.06.2020 hat die Firma Coroplast Fritz Müller GmbH & Co.KG in einer Pressemitteilung verkündet, dass bis zum 31.12.2020 die Produktion so umgestellt wird, dass kein PCB mehr emittiert wird. Auf die Homepage der Firma wird verwiesen.  

Hintergrundinformationen über PCB

Ausgangslage

Ende November 2019 erhielt die Stadt Wuppertal einen Erlass des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz NRW (MULNV), der in Bezug auf die Ermittlungen bei einer Silikonkautschuk verarbeitenden Firma in Ennepetal die Anweisung enthielt, zu ermitteln, ob Unternehmen mit dem gleichen oder vergleichbaren Produktions­prozessen auch innerhalb Wuppertals existieren. Der Erlass ging im Übrigen an alle Unteren Umweltbehörden in NRW.

Im Rahmen dieser Ermittlungen wurde bei zwei Firmen vergleichbare Produktionsprozesse festgestellt. 

Der von der Firma aus Ennepetal bekannte Niederschlag aus „weißen Flocken“ ist bisher in Wuppertal im Umfeld der betroffenen Firmen nicht aufgetreten. Beide Firmen verfügen über Abluftfilter hinter ihren Anlagen. Diese Flocken sind laut den Erkenntnissen aus Ennepetal besonders hoch mit PCB belastet.

Genehmigungsbedürftigkeit

Bei der Verarbeitung von Silikonkautschuk (hier Kabelextrusion) handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit, für die der Bundesgesetzgeber aktuell kein immissionsschutzrechtliches Genehmigungserfordernis vorsieht. Diese Art von Anlagen sind nicht im Anhang 1 zur 4. Bundes-Immissionsschutzverordnung (Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen) aufgeführt. Sie stellen somit gemäß § 22 Bundes-Immissionsschutzgesetz (Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge) sogenannte „nicht genehmigungsbedürftige Anlagen“ dar. Für die Silikonverarbeitung sieht der Bundesgesetzgeber bisher keine Vorsorge-Emissionsgrenzwerte vor. Diese Anlagen haben, so wie alle anderen nicht genehmigungs­bedürftigen Anlagen, nur die immissionsschutzrechtliche Pflicht, schädliche Umwelteinwirkungen zu verhindern, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind. Nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen sind auf ein Mindestmaß zu beschränken.

Es müssen also zunächst schädliche Umwelteinwirkungen nachgewiesen werden, bevor die Überwachungsbehörde gegen den Betreiber ordnungsbehördlich vorgehen kann. Die schädliche Umwelteinwirkung umfasst neben der erheblichen Belästigung/den erheblichen Nachteilen auch die Gefährdung der Allgemeinheit und Nachbarschaft.

Der Nachweis zu den schädlichen Umwelteinwirkungen ist hier nur durch immissionsseitige Betrachtungen/Messungen/Untersuchungen/Analysen möglich, die Zeit beanspruchen. Als erster Schritt erfolgten in Wuppertal Untersuchungen des Bodens. Parallel führte das LANUV ein Löwenzahn-Screening durch. Erst nach vollständiger Auswertung der Ergebnisse, kann über das ordnungsbehördliche Einschreiten entschieden werden. Das einfache Vorhandensein von PCB in der Abluft berechtigt die Überwachungsbehörde in der aktuellen Gesetzeslage nicht zur Untersagung des Betriebs.

Update März 2021

Vom Land Nordrhein-Westfalen wurde aufgrund der Ereignisse im letzten Jahr eine Bundesratsinitiative zur Änderung der Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen (4. BlmSchV) eingebracht. Anlagen, in denen halogenhaltige peroxidische Vernetzer eingesetzt werden, sollen künftig unter die immissionsschutzrechtliche Genehmigungspflicht fallen. Mit einer breiten Mehrheit ist der Bundesrat am 5. Juni 2020 dem Hauptanliegen Nordrhein-Westfalens, halogenhaltige peroxidische Vernetzer zu regeln, gefolgt. Die geänderte Verordnung ist zum 12.01.2021 verkündet worden und tritt am 01.04.2021 in Kraft.

Die geänderte Verordnung hat aktuell nur noch für die Fa. Prysmian Kabel und Systeme GmbH in Ronsdorf Relevanz, da die Fa. Coroplast Fritz Müller GmbH & Co.KG den chlorierten Vernetzer nicht mehr einsetzt. Ziel der Fa. Prysmian ist es weiterhin, den chlorierten Vernetzer zu substituieren, damit die Genehmigungsbedürftigkeit wieder entfällt. Bis dahin gelten  jetzt auch die Vorsorgeanforderungen der TA Luft.

Umgang in Verwaltung und Politik

Da von dieser speziellen PCB-Problematik nicht nur Firmen aus Wuppertal betroffen sind, sondern dies ein deutschlandweites bzw. weltweites Problem ist, koordiniert für Nordrhein-Westfalen das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MULNV) die Bearbeitung der Fälle. Die Erkenntnisse aus Ennepetal wurden bereits an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie an die anderen Bundesländer weitergeben. So ist sichergestellt, dass alle betroffenen Firmen gleich behandelt werden und eine möglichst einheitliche Lösung gefunden wird. Die Stadt Wuppertal steht in engem Kontakt mit dem MULNV.

Was wurde bereits veranlasst?

Bei beiden betroffenen Unternehmen haben bereits behördlich abgestimmte Emissions­messungen stattgefunden.

Bei der Fa. Coroplast liegen bereits die Ergebnisse einer zweiten Emissionsmessung vor; diese bestätigt die Ergebnisse der ersten, orientierenden Emissionsmessung aus Januar 2020. Die PCB-Kongenere 47, 51 und 68 sind nachweisbar in der Abluft enthalten. Die Massenkonzentrationen sind jedoch im Vergleich zur Fa. BIW sehr gering. Die Emissionsmessungen bei der Fa. Prysmian erfolgten Mitte März. Ein Messbericht liegt noch nicht vor. Dass PCB 47, 51 und 68 enthalten sind, ist aber höchst wahrscheinlich. Da es derzeit keinen gültigen Emissionsgrenzwert für PCB gibt, kann ein Vergleich der Messwerte nicht durchgeführt werden.

Parallel zu den Emissionsmessungen erfolgte ein mit dem LANUV abgestimmtes, von der Stadt Wuppertal beauftragtes Bodenuntersuchungsprogramm an ausgewählten Standorten im Umfeld der Anlagen. Die Ergebnisse liegen bereits vor. Demnach wurde nur an einem Probenahmeort an der Parkstraße in W-Ronsdorf PCB 47 in Spuren nachgewiesen. In allen anderen Proben war PCB 47 bei einer Nachweisgrenze von 0,001 mg/kg nicht nachweisbar - PCB 51 und PCB 68 ebenfalls nicht. Inwiefern der über 1 km entfernte Probenahmeort an der Parkstraße überhaupt mit der Fa. Prysmian in Verbindung gebracht werden kann, wird derzeit überprüft. Im Kapitel Bodenuntersuchungen kann der vollständige Untersuchungs­bericht eingesehen werden, sobald er der Stadt Wuppertal vorliegt.

Um den Eintrag in Nahrungsmittelpflanzen zu überprüfen, wurde durch das LANUV Ende März 2020 Löwenzahn an ausgewählten Standorten im Umfeld der Anlagen geerntet und im eigenen Labor analysiert. Seit dem 04.06.2020 liegt der Stadt Wuppertal der Bericht zum Löwenzahn-Screening vor. Im Umfeld der Fa. Coroplast wurde an drei von vier untersuchten Stellen ermittelt, dass der Orientierungswert der mittleren Hintergrund­belastung für Gesamt-PCB überschritten ist. Nun liegt der erste, fachlich belastbare Nachweis vor, dass sich das spezielle PCB-Gemisch in der Umwelt nachweisen lässt. Daher wurde in Abstimmung mit dem MULNV und dem LANUV entschieden, dass für ein abgegrenztes Gebiet eine vorsorgliche Verzehrempfehlung ausgesprochen werden soll. Bei der Fa. Prysmian gab es nur an einem Punkt im Bereich des westlich liegenden Friedhofs eine leichte Überschreitung. Hier wird derzeit bis auf das Grundstück Lohsiepenstr. 82a auf eine großräumige Nichtverzehrempfehlung verzichtet.

Bezüglich der Verzehrempfehlung wird auf das separate Kapitel „Löwenzahn-Screening und Verzehrempfehlung für Blattgemüse“ verwiesen. Dort findet sich u.a. auch der  Bericht des LANUV sowie eine Karte mit dem Gebiet der Verzehrempfehlung samt Hinweisen und einem Verzeichnis der betroffenen Adressen.

Bezüglich der Ergebnisse der inzwischen durchgeführten Grünkohl-Untersuchung in Nächstebreck wird auf den Abschnitt Aktuelles und Grünkohl-Untersuchung verwiesen. Dort finden sich auch die Informationen zur Aufhebung der Nichtverzehrempfehlung.   

Bodenuntersuchungen

Parallel zu den Emissionsmessungen erfolgte ein mit dem LANUV abgestimmtes, von der Stadt Wuppertal beauftragtes Bodenuntersuchungsprogramm an ausgewählten Standorten im Umfeld der Anlagen. Die Ergebnisse liegen bereits vor. Demnach wurde nur an einem Probenahmeort an der Parkstraße in W-Ronsdorf PCB 47 in Spuren nachgewiesen. In allen anderen Proben war PCB 47 bei einer Nachweisgrenze von 0,001 mg/kg nicht nachweisbar, PCB 51 und PCB 68 ebenfalls nicht. Inwiefern der über 1 km entfernte Probenahmeort an der Parkstraße überhaupt mit der Fa. Prysmian in Verbindung gebracht werden kann, wird derzeit überprüft. 

Löwenzahn-Screening und Nichtverzehrempfehlung für Blattgemüse

Um den Eintrag in Nahrungsmittelpflanzen zu überprüfen, wurde durch das LANUV Ende März 2020 Löwenzahn an ausgewählten Standorten im Umfeld der Anlagen geerntet und im eigenen Labor analysiert. Seit dem 04.06.2020 liegt der Stadt Wuppertal der Bericht zum Löwenzahn-Screening vor. Im Umfeld der Fa. Coroplast wurde an drei von vier untersuchten Stellen ermittelt, dass der Orientierungswert der mittleren Hintergrund­belastung für Gesamt-PCB überschritten ist. Nun liegt der erste, fachlich belastbare Nachweis vor, dass sich das spezielle PCB-Gemisch in der Umwelt nachweisen lässt. Daher wurde in Abstimmung mit dem MULNV und dem LANUV entschieden, dass für ein abgegrenztes Gebiet eine vorsorgliche Verzehrempfehlung ausgesprochen werden soll. Die Abstimmung des betroffenen Gebietes erfolgte am 08.06.2020 zusammen mit dem LANUV und dem Gesundheitsamt. Die Information der Öffentlichkeit erfolgte am 09.06.2020. 

Bei der Fa. Prysmian gab es nur an einem Punkt im Bereich des westlich liegenden Friedhofs eine leichte Überschreitung. Hier wurde nur für das Grundstück Lohsiepenstr. 82a eine Verzehrempfehlung ausgesprochen.

Folgende Dokumente werden zum Download zur Verfügung gestellt:

Grünkohl-Untersuchung

Grünkohl-Untersuchung 2020 im Bereich Wuppertal-Nächstebreck und Aufhebung der Nichtverzehrempfehlung

Aufgrund der Ergebnisse aus dem Löwenzahn-Screening im März 2020 wurden im Umfeld der Fa. Coroplast Fritz Müller GmbH & Co.KG zwischen August und November 2020 weiterführende Untersuchungen zur Immissionsbelastung in Nahrungspflanzen (Grünkohl) durchgeführt. Ziel war es, die Immissionssituation zu überprüfen und die Gehalte in den Grünkohlpflanzen ggf. gesundheitlich zu bewerten. Dazu wurden an insgesamt 6 Messpunkten Grünkohlpflanzen exponiert.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass an allen untersuchten Messpunkten die bei der Silikonkautschukverarbeitung freiwerdenden PCB-Kongenere 47, 51 und 68 in den zwischen August und November 2020 exponierten Grünkohlpflanzen nachgewiesen werden konnten. Die Höhe der in den Grünkohlpflanzen ermittelten Gehalte war aber an den weiter von der Fa. Coroplast entfernt liegenden Messpunkten 2, 3, 5 und 6 verhältnismäßig gering und führte nicht zu einer Überschreitung des Orientierungswertes der mittleren Hintergrundbelastung (OmH) NRW für PCB-Gesamt.

An den zwei nahe an der Fa. Coroplast gelegenen Messpunkten 1 und 4 wurden PCB-Gesamt-Gehalte ermittelt, die zu einer Überschreitung des OmH führten. Es lag also im Untersuchungszeitraum ein erhöhter immissionsbedingter Eintrag von PCB vor. Am Messpunkt 1 wurde darüber hinaus auch ein Eintrag an dioxinartigen PCB (dl-PCB) verzeichnet, wie das für diesen Bereich auch schon im Frühjahr 2020 beim Löwenzahnscreening gezeigt wurde. Neben dem immissionsbedingten Eintrag von den bei der Silikonkautschukverarbeitung freiwerdenden PCB-Kongeneren 47, 51 und 68 gibt es offensichtlich in dem Gebiet noch eine Quelle für dl-PCB. Diese Quelle steht aber in keiner Verbindung mit der Silikonkautschukverarbeitung.

Die Fa. Coroplast hat nach eigener Aussage die Produktion mit dem chlorhaltigen Vernetzer zu Beginn des Jahres 2021 vollständig eingestellt, so dass davon auszugehen ist, dass zukünftig keine Immissionen der PCB-Kongenere 47, 51 und 68 mehr auftreten sollten. 

Dementsprechend sind aus Sicht des LANUV die Aufrechterhaltung der vorsorglichen Nichtverzehrempfehlung und die abgeleiteten Verzehrhäufigkeiten nicht mehr erforderlich. Dem hat sich die Stadt angeschlossen - bis auf einen kleinen Teilbereich um den Messpunkt 1 (Gabelsberger Str./Hans-Wagner-Str.), wo die Werte für dl-PCB erhöht sind. Der aufgehobene Bereich sowie der Bereich um die Gabelsberger Str. und Hans-Wagner-Str., wo die vorsorgliche Nichtverzehrempfehlung weiterhin aufrechterhalten wird, sind in einer Karte dargestellt, die weiter unten zum Download bereitsteht. Ebenso bereit steht dort der vollständige Grünkohlbericht 2020 zum Download, aus dem weitere Details zur Grünkohluntersuchung entnommen werden können.

Grünkohl-Untersuchung 2021 in Wuppertal-Ronsdorf

Hier finden Sie demnächst die Informationen zur Grünkohl-Untersuchung 2021. 2020 wurde kein Grünkohl exponiert, da die Belastungssituation aus dem Löwenzahn-Screening dies nicht erfordert hat. Die vorsorgliche Nichtverzehrempfehlung für das Grundstück Lohsiepenstr. 82a bleibt 2021 noch bestehen, da die Firma Prysmian Kabel und Systeme GmbH die Substitution des chlorierten Vernetzer noch nicht abschließen konnte. Eine Karte mit der Lage der Nichtverzehrempfehlung steht weiter unten zum Download bereit. 

Spezielle Fragen

Kann ich Honig essen?

Die vorsorgliche Verzehrempfehlung des LANUV gilt nur für Blattgemüse aus den Gärten des betroffenen Gebietes.

Bin ich auch betroffen, wenn ich weit außerhalb des Gebietes der Verzehrempfehlung wohne?

Nein. Eine Betroffenheit ist nicht gegeben.

Bin ich betroffen, wenn ich an der Grenze, außerhalb des Gebietes der Verzehrempfehlung wohne?

Eine Betroffenheit ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht wahrscheinlich. Wer sich trotzdem unsicher ist, sollte sich ebenfalls an die Verzehrempfehlung halten. 

Sind aktuell Kleingartenanlagen von den Verzehrempfehlungen betroffen?

Bezüglich der PCB-Immissionen durch die beiden Emittenten in Ronsdorf und Nächstebreck gibt es in allen benachbarten Kleingartenanlagen keine zusätzlichen Belastungen; Verzehrhinweise in Bezug auf PCB müssen nicht beachtet werden.

Seit Anfang März liegen die Ergebnisse aus der Grünkohl-Untersuchung vor, die z.B. für die Kleingartenanlage Mollenkotten am Eichenhofer Weg unkritische Werte zeigen. Auf den Abschnitt Grünkohl-Untersuchung wird verwiesen.

Kann ich mein Brunnenwasser weiter nutzen?

Nach aktueller Kenntnislage ist das Grundwasser nicht von den PCB-Immissionen der beiden Silikonkautschuk verarbeitenden Betriebe betroffen. Die Gehalte an PCB im Oberboden liegen bis auf den einen Standort auf der Grünfläche an der Parkstraße in Ronsdorf an allen untersuchten Standorten unterhalb der Nachweisgrenze - die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutzverordnung für die sensibelste Nutzung Kinderspielplätze werden eingehalten. Eine Kontamination des Grundwassers ist nicht angezeigt.

Die labortechnische Untersuchung von Regenwasserzisternenwasser in der direkten Nachbarschaft der Fa. Prysmian hat weder im Wasser selbst noch im Zisternenschlamm auffällige Werte ergeben.

Kann ich eine Entschädigung geltend machen?

Die Fa. Coroplast stellt seit dem 07.07.2020 online ein Formular zur Verfügung, mit dem von der Verzehrempfehlung betroffene BürgerInnen auf Kulanzbasis Schadensersatz für Ernteausfälle geltend machen können. Das Formular soll auch per Posteinwurf allen Bewohnern im Gebiet der Verzehrempfehlung und an den Grenzen zugestellt werden.

Im Zusammenhang mit der Abstellung der PCB-Emission bei der Fa. Coroplast zum 01.01.2021 wurde auch das Kompensationsprogramm eingestellt.  

Wie geht es weiter?

Die Stadt Wuppertal steht weiterhin in engem Kontakt mit dem MULNV und dem LANUV. Regelmäßig finden Dienstbesprechungen statt. Zusätzlich tagt ein Arbeitskreis PCB, in dem neben dem MULNV, dem LANUV und der Bezirksregierung Düsseldorf auch die betroffene Kommunen und Kreise mitwirken.

Mit einer breiten Mehrheit ist der Bundesrat am Freitag (5. Juni 2020) dem Antrag Nordrhein-Westfalens gefolgt, der eine Regelungslücke schließen soll, um die Gefahr einer unbeabsichtigten Freisetzung von Polychlorierten Biphenylen (PCB) zu minimieren. Damit verbunden ist eine neue Genehmigungspflicht für bestimmte silikonverarbeitende Betriebe. Somit ist man dem Ziel näherkommen, in angemessener Weise und bereits vorsorglich im Rahmen von Genehmigungs­verfahren schädliche PCB-Emissionen verhindern zu können. Bis zur Änderung der 4. BImSchV wird es aber noch dauern.

Die Ergebnisse aus dem Löwenzahn-Screening sollen im nächsten Schritt durch eine sogenannte Grünkohl-Untersuchung bestätigt und konkretisiert werden. Dies wird dann ggf. auch zu einer Konkretisierung der Verzehrempfehlung führen. Der Beginn der Kampagne wird nicht vor Mitte August 2020 sein und dann bis in den November 2020 andauern (Wachstumsperiode). Danach wird geerntet und analysiert. Wo genau der Grünkohl-Container aufgestellt werden sollen, wird derzeit mit dem LANUV abgestimmt.

PCB-Hotline: 0202/563-4844

Sollten die Informationen von dieser FAQ Seite nicht ausreichen, wenden Sie sich bitte mit Ihren Fragen ausschließlich an die eingerichtete PCB-Hotline: 0202/563-4844. Ihre Fragen werden in einer zentralen Datenbank erfasst, worauf auch die Fachbehörden Zugriff haben. So ist ein koordinierte Erfassung und Beantwortung aller Fragen sichergestellt. Die Antworten werden dann sukzessive auf dieser FAQ-Seite eingestellt. 

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