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Wuppertal / Rathaus & Bürgerservice

Vom Müllberg zum Refugium für gefährdete Tierarten

Die Sanierung der Deponie Kemna

Die Stadt Wuppertal sanierte in den Jahren 2010 - Ende 2011 die im Stadtteil Beyenburg an der Grenze zur Stadt Schwelm gelegene Deponie Kemna, im Volksmund auch "Kippe Kemna" genannt.

 

Die Deponie, ein ehemaliger Steinbruch, umfasst eine Fläche von rund acht Hektar. In den Jahren 1953 bis 1974 wurden etwa 1,5 Millionen Kubikmeter Müll, bestehend aus Hausmüll und Bauschutt, in den 55 m tiefen Steinbruch verfüllt.

 

Mitte der 1980er Jahre wurden die steilen Hänge der Kippe mit Schwarzerlen bepflanzt. Das Plateau der Kippe, auf das immer noch draufgekippt wurde, war damals als Offenlandbiotop mit stellenweise geringer Gehölzdeckung zu charakterisieren. In einigen Bereichen war das Plateau vergrast, großflächig konnten sich Pflanzen wie der Riesenbärenklau, der japanische Staudenknöterich und die kanadische Goldrute behaupten, invasive Arten, die in diesem Gebiet auf natürliche Weise nicht vorkommen.

Um die Sickerwassermenge zu reduzieren sah die Sanierung der Deponie Kemna vor, das Deponieplateau mit einer Kunststoffdichtungsbahn abzudecken.

Auswirkungen auf den Naturhaushalt

Die wesentlichen Auswirkungen der Deponiesanierung ergaben sich während der Bauphase. Baustellenverkehr und Baustellenbetrieb hatten zeitweilig negative Auswirkungen auf die Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Nach Abschluss der Bauphase erfolgte die Rekultivierung der Deponie. Neue Begrünung – teilweise angepflanzt, teilweise durch natürliche Entwicklung entstanden - sowie die Verminderung von Schadstoffeinträgen in den Boden und das Grundwasser wirkten sich positiv auf den Naturhaushalt aus.

Artenschutz

Schlingnatter

Um die artenschutzrechtlichen Belange gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu berücksichtigen wurde der Sanierungsbereich vorab faunistisch und floristisch kartiert. Es wurden Erhebungen zum Vorkommen von Vögeln, Kriechtieren, Amphibien und Heuschrecken durchgeführt. Hierbei wurde neben zahlreichen Blindschleichen, Waldeidechsen und Ringelnattern das Vorkommen der Schlingnatter als streng geschützte Art bestätigt, die als ortsgebundene Art ihren Siedlungsbereich auf dem Deponieplateau hat. Da Schlingnattern von der Sanierungsmaßnahme am stärksten betroffen sind, wurden die Tiere im Jahr 2009 als begleitende Tier- und Artenschutzmaßnahme abgesammelt und in ein umfriedetes Ausweichquartier umgesiedelt. In dieses Reptilienbiotop wurden auch Beutetiere der Schlingnatter wie z.B. die Blindschleiche umgesiedelt.

Schlingnatter
Jungtier einer Schlingnatter
umfriedetes Ausweichquartier

Biotopentwicklung der Plateaufläche nach abgeschlossener Deponiesanierung

Ende des Jahres 2011 wurde die Sanierung der ehemaligen Hausmülldeponie Kemna fertiggestellt. Um einen Optimallebensraum für die rückzusiedelnden Reptilien anbieten zu können, wurde ein abwechslungsreiches, möglichst naturnahes Mikorelief mit Bodenwellen und unregelmäßigen Terrassierungen profiliert.
Winterquartiere, in denen die Schlingnattern vor Frost geschützt sind, wurden gestaltet. Lesesteinhaufen, im Übergangsbereich von freien vegetationsarmen Flächen zu Bereichen mit dichterer Vegetation, dienen jetzt als Sonnenplatz. Ein einseitig erdabgedeckter Steinwall stellt ein wichtiges Strukturelement dar und übernimmt sowohl die Funktion des Winterquartiers als auch des Sonnenplatzes. Knüppelholzhaufen bieten Deckungsmöglichkeiten vor allem für Jungschlangen an.

Reptilienlebensraum: Besonnter, einseitig erdabgedeckter Steinwall (Aufnahme aus dem Jahr 2014)

Amphibien (= Tiere, die im Wasser und auf dem Land leben können) laichen in verschiedenen kleinen Tümpeln, die z.B. durch Radspuren entlang der Zufahrtsrampen entstanden sind. Mit dem neu angelegten Kleingewässer auf dem Deponieplateau ist in Folge der Deponiesanierung auch dem Amphibienschutz entsprochen worden.

Kleingewässer im Jahr 2015

Fazit

Nach Abschluss der Sanierungsphase erfolgte die Rekultivierung der Deponie. Ziel war es, die in der Bauphase beeinträchtigten Werte und Funktionen des Naturhaushaltes fachgerecht wiederherzustellen. Hierbei wurde ein besonderes Augenmerk auf die Wiederherstellung des Lebensraumes für die seltenen Arten, insbesondere Schlingnatter, Blindschleiche und Eidechsen, gelegt.
Nach Anlage eines kleinstrukturierten Lebensraumes mit einem Wechsel aus besonnten Wärmeinseln und klein- flächigen, dichten Gehölzbereichen auf dem Deponieplateau und fortschreitender Spontanbegrünung konnten in den Jahren 2013 und 2014 die im Ersatzgehege Gelpe wiedergefundenen Indviduen von Blindschleiche, Ringeglnatter sowie Schlingnatter auf das bis dahin schon wieder begrünte Deponieplateau umgesiedelt werden.
Die problematische Aussbreitung von Neophyten - speziell des Riesenbärenklaus (Heracleum Mantegazzianum) auf der Fläche wird durch Schafbeweidung eingedämmt. Zurzeit finden sich nur noch wenige Bestände des Bärenklaus auf der Plateaufläche. Die Verbuschung der Seitenböschungen durch Erlen stellt jedoch ein Problem dar, so dass hier die Erlen zumindest im oberen Böschungsbereich wie auch auf der Plateaufläche turnusmäßig auf den Stock gesetzt werden müssen, damit keine Entwicklung in Richtung Wald voran schreitet.

Schafbeweidung auf dem Deponieplateau im Jahr 2015
Frau Andrea Wild
techn. Sachbearbeiter/in

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

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